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Rick Pearson: So tickt man über 300mph

Wer einen sehr exklusiven Club für sich sucht, sollte dem 300 mph (miles per hour) Club von Bonneville beitreten. Man muss dafür nur mit mindestens 300 mph, also mit knapp unter 500 km/h über einen Salzsee in Utah gerast sein. Nicht lässig im Lederfauteuil, Klima- und Soundanlage an. Wenn das so entspannt möglich wäre, hätte der Club deutlich mehr Mitglieder.

Rick Pearson, Schotte, Petrolhead, jetzt in der Schweiz lebend und arbeitend, ein begeisterter Freund unserer Uhren, ist Clubmitglied. In einem Club mit weltweit weniger als hundert Mitgliedern. Er hat 2012 in Bonneville nicht nur die 300mph Grenze durchbrochen, sondern auch direkt die 500 km/h Grenze (310,686 mph) geknackt.

Auf dem riesigen Salzsee sieht der dunkelgrüne Streamliner mit dem Namen „Flower of Scotland“ noch zierlicher aus, als in der Werkstatt des Teams. Dem Cockpit traut man zu, ein zwölfjähriges Mädchen aufzunehmen. Nicht aber einen Mann. Rick muss da reinpassen, mit Helm und seiner gesunden Angst. Er muss sich den Streamliner wie einen Strumpf über den Körper ziehen und liegt dann mit dem Kopf auf der Brust wenige Zentimeter über dem Salz. Der Atem tobt und Rick muss eine überraschend aufkommende Platzangst langsam wegatmen.

Die Startprozedur für den hochperformanten Einlitermotor von Kawasaki beginnt und die Szene wird in Methanolduft getaucht. 16 Jahre Entwicklungszeit gipfeln jetzt in einer Fahrt, die nur zwei Minuten dauert und Mensch und Maschine alles abverlangen wird. Ricks Rückenlehne enthält das Eis zur Kühlung des tobenden Motorraduhrwerks, das die „Flower of Scotland“ mit über 11.000 Touren über den Salzsee scheuchen wird.

Rekordfahrten verlangen nach einer hohen Sensibilität. Ricks Sinne sind bis aufs Äußerste geschärft, von Adrenalin überschärft, um auf jede kleinste Veränderung sofort fahrerisch reagieren zu können. Eine Bruchteil einer Sekunde zu spät zu reagieren, kann den Rekord aber auch das Leben kosten.

Rick hat beides noch. Fen Rekord und sein Leben. Und er hat diese tief sitzende Begeisterung vieler Petrolheads für die Mechanik und Materialästhetik unserer Uhren. Gerade probiert er die neue L2 in Bronze. Daniel Dreifuss geht die Startprozedur durch. Läuft. Rick sucht das Geräusch des Uhrwerks, findet es und ist froh, dass der Antrieb in diesem Fall nicht in seinem Nacken sitzt, sondern am Handgelenk. Diesmal geht es nicht nur auf einen See, sondern auch in den See – den Zürisee. Draussen donnert der Motor des wegfahrenden Porsche und Rick lächelt wissend in seinem Lederfauteuil.