Wahrer Luxus braucht keine inszenierte Limitierung

Ein Plädoyer für das Wahre.

Es ist extrem still im Atelier in der Tödistrasse wenn gerade kein Freund der Familie oder Kunde da ist. Dann scheint man das leise Surren zu hören, das die fleissige Mechanik von Automatikuhren wie ein Konzert mit hunderten kleinster Instrumente aufführt. Das ist aber nur zu hören, weil man etwas hören möchte. Es ist wirklich still. Denn das Montieren der Uhren im hinteren Bereich des Ateliers ist nie lauter als die Uhr, die gerade montiert wird. Hier werden nicht hunderte oder tausende Uhren montiert, sondern eine oder zwei. Mal sind es drei.

Das ist nicht überall so, wo Uhren hergestellt werden. Das Grundrauschen ist lauter geworden. Sehr viel lauter. Die Branche giert nach Stückzahlen, nach Kanälen und Märkten, die immer höhere Stückzahlen ermöglichen. Plötzlich drängen alle mit Macht ins Internet. Das führt zu einer Demokratisierung von Luxus, zu einer Bagatellisieren von Luxus, vor der sich die, die dies erzeugen, sich gleichsam auch wieder schützen müssen.

Es wird immer mehr produziert und dann mühsam limitiert. So gibt es eine Variation einer Uhr nur bei einem bestimmten Juwelier, eine andere Variation der Uhr nur bei einem ausgewählten Webshop und wieder eine Variation im eigenen Webshop, eine für diesen Markt und eine für jenen. Am Ende gibt es tausende und abertausende von einer Uhr. Der Träger wähnt sich unter wenigen und ist nur Teil eines getäuschten Mainstreams. Werden Uhren damit nicht zu einem teuren Massenprodukt degradiert? Ist das noch wahrer Luxus für die, die sich den Luxus einer luxuriösen Uhr lustvoll leisten möchten?

Wenn Luxus banalisiert wird, wenn er demokratisiert wird, verliert er das Wahre. Deshalb entscheidet sich unserer Familie, die hinter Maurice de Mauriac steht, jeden Tag aufs neue dafür, das Grundrauschen nicht anzuheben. Es soll weiterhin leise sein im Atelier. Man soll nichts hören. Denn große Stückzahlen sind laut und banal.

Weil wir uns jeden Tag für die leise Version des Geschäftes mit Uhren entscheiden, müssen wir keine einzige Uhr limitieren. Sie sind limitiert, weil wir die wenigen Uhren, die wir hier montieren auf der ganzen Welt vertreiben und so das wahrste am Luxus, die Beschränkung, nicht inszenieren müssen. Sie ist Teil unseres Verständnisses von Luxus, der sich heute immer weniger am Preis, denn an der Verfügbarkeit messen lässt. Geringe Verfügbarkeit, also kleine Stückzahlen, ziehen einen etwas höheren Preis nach sich. Ja, dafür hat man aber die Sicherheit, wahren Luxus zu genießen, den man mit wenigen leidenschaftlich teilen kann aber nicht – getäuscht und enttäuscht -mit vielen teilen muss.

Pling – ein Geräusch, das wir lieben. Eine Bestellung geht über unseren Webshop ein. Diesmal aus Amerika. Und dann ist wieder Ruhe.

Plötzlich werden Stimmen laut, es wird gelacht, Hände schütteln sich, halten sich länger fest, als sie es müssten. Manchmal kommen Kunden zu uns in das Atelier, um andere zu treffen, die auch eine Maurice de Mauriac tragen. Denn im Leben genießen sie den Luxus, einer von ganz wenigen zu sein, die das Wahre lieben.

Wieder Ruhe. Auch Luxus.

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